Chemise

Chemise steht für das französische Wort „Hemd“ und bezeichnet auch ein Hemdkleid, dass ab ca. 1794 bis ca. 1811 (Empire, Directoire) sehr groß in Mode war. Die Chemise wird mit der Modeart Mode à la Grecque, „griechische Mode“ verbunden.

Der Stoff bestand aus Musselin, Baumwolle oder sogar aus Seide, war sehr dünn und transparent und wurde unterhalb der Brust mit einem Band oder Gürtel zusammengebunden, so dass er den Körper wenig unterhalb der Brust betonte. Die Chemise war wie eine Art Tunika geschneidert, hatte zudem kurze Ärmel und einen tiefen Ausschnitt.

Unter dem Kleid wurden Unterkleider getragen. In Frankreich trugen die Damen fleischfarbene Trikots.

Die Entstehung dieser Mode hatte den Hintergrund, dass die Menschen sich zunehmend für die Antike interessierten. Weiß galt als die Farbe der Antike, daher verzichtete man auf farbige Chemisen. Die Bänder waren meist farbig (rosa oder blau) sowie wurde der Saum mit Blumenmustern geschmückt oder sogar bedruckt.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Chemise immer weiter. Von tiefen Ausschnitt zu einem hochgeschlossenen Kleid. Auch die kurzen Ärmel wurden mit der Zeit länger.

„Auch auf die Mode in der Frauenkleidung geschah jetzt eine auffallende Einwirkung. – Unsere steifen, faltenreichen Anzüge machten leichteren Formen Platz, die langen Taillen mit den Schnabelspitzen vorn und hinten verschwanden samt den Bouffants und Siebröcken, welche schon nach und nach eine Annäherung vorbereitet hatten. Der Gürtel des Kleides wurde nicht mehr an den Hüften, sondern unter der Brust gebunden; der Puder wurde allmählich abgeschafft, die Hackenschuhe abgelegt, die ganze Kleidung näherte sich mehr der Natur und eigentlich dem griechischen Geschmacke, in welchem Sinne man in den folgenden Jahren immer weiter und weiter schritt, bis zu Knappheiten in der Kleidung, die kaum eine Falte übrig ließen, so daß die genaueste Bezeichnung der darunter befindlichen Körperform der eigentliche Zweck und Ruhm dieser Mode zu sein schien. Dazu gehörten denn die wirklich oder scheinbar unter Trikots entblößten Arme, entblößte Schultern, geschnürte Schuhe, die den Kothurn nachahmten, reiche Armbänder, nicht bloß am Vorderarm wie sonst, sondern über dem Ellenbogen; abgeschnittenes und in kurze Locken gelegtes oder, wenn es lang blieb, in einen Knoten am Hinterkopf geschlungenes Haar – kurz ein, soviel es möglich war, griechisierendes Kostüm.“

Caroline Pichler: Denkwürdigkeiten aus meinem Leben, München 1914, 1. Bd., 1. Theil, S. 182f Online

Quellen:

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