Weihnachten im Mittelalter

Postkarte, Ende 19. Jahrhundert
Postkarte, Ende 19. Jahrhundert

Damals als die Menschen noch von der Landwirtschaft lebten hatten sie natürlich im Winter weniger Arbeit. Somit hatten sie mehr Zeit. Was also mit der kalten und dunklen Jahreszeit anfangen? Natürlich! Gesellig miteinander feiern. Heidnische Bräuche baten zudem um einen milden und kurzen Winter und um einen umso wärmeren und fruchtbaren Frühling. Man muss natürlich auch bedenken, dass für die Menschen seit Jahrtausenden das Wetter überlebenswichtig war und ihr Leben bestimmte. Vor der Christenheit glaubten die Menschen an alle möglichen Götter. Die Sonnenanbetung, Opfergaben und andere Bräuche bestimmten das Leben der Menschen. Denn diese konnten im Winter nicht einfach die Heizung aufdrehen oder ins Geschäft um sich einen leckeren Braten zu holen.

Mit der Christianisierung Europas versuchte die Kirche zunehmend heidnische Bräuche zu „überspielen“ und da bot sich der 25. Dezember gerade an, die Geburt Jesus Christus auf diesen Tag festzulegen. Obwohl man damals bereits davon ausging, dass dieser eigentlich im März geboren wurde, war der 25. Dezember besser geeignet. Ein wichtiger Grund dafür ist die Wintersonnenwende, der der Kirche besser passte als ein gewöhnlicher Tag im Frühling.

So entwickelte sich das Weihnachtsfest mit Bräuchen und Traditionen, die wir bis heute noch kennen und auch noch zur Weihnachtszeit ausüben.

Im Frühmittelalter war allerdings der 6. Januar weit aus beliebter als der 25. Dezember. Zudem wurde Weihnachten sehr ernst gefeiert. In der Kirche gab es Messen mit einigen Extras dazu. Also, da war Spaß und Feiern noch sehr weit entfernt.

Dies änderte sich ab 1000 – 1300. Hier wurde die Weihnachtszeit (25.12. bis zum 06.01.) zur wichtigsten Zeit in ganz Europa. Der mittelalterliche Kalender war von religiösen Feiertagen geprägt und die Weihnachtszeit wurde mit 40 Tagen Vorlauf (ab 11.11. St. Martins Tag) eingeleitet. Das war die vorweihnachtliche Zeit, damals Advent. Die Weihnachtszeit endete mit dem 06.01.

Anfangs verbot die katholische Kirche jede Art von Geschenkübergabe, da diese Geste als heidnisch galt. Wurde aber bald sowohl bei Reichen als auch bei Armen sehr beliebt. Die Weihnachtsfeierlichkeiten beinhalteten Singen, Tanzen, Essen und Trinken.

Viele Monarchen wählten auch den 25. Dezember als Krönungstag, wie z. B. William der Eroberer im Jahr 1066.

Wie auch heute war den Menschen im Mittelalter Dekoration sehr wichtig. Grüne Pflanzen, wie Efeu, Immergrün und Stechpalmen spielten eine große Rolle. Grünes im Winter zu finden ist natürlich schwer und daher brachte es Glück und sollte entsprechend auch die Weihnachtszeit mit Hoffnung füllen. Auch die Mistelzweige und Kerzen anzünden sind eine heidnische Tradition. Geschmückt wurde das Heim allerdings erst an Heiligabend. Davor dekorieren bringt Unglück und vor allem auch Pech im neuen Jahr, wenn zum 6. Dezember die Deko nicht wieder runter kommt.

Auch die Tradition einen Weihnachtsscheit zu schlagen und festlich in die Halle zu tragen, und anschließend an den Weihnachtstagen brennen zu lassen, hat eine lange Tradition, die sogar noch bis ins späte 19. Jahrhundert Gang und Gebe war.

Viele heute noch bekannten Bräuche und Traditionen in England zu Weihnachten stammen aus dem Mittelalter

Das X in XMas steht für den griechischen Buchstaben chi, welche die frühere Abkürzung für Christus war. Das X steht als für das Kreuz an dem Jesus gekreuzigt wurde.

Die Krippe wurde von Francis of Assisi benutzt um der Bevölkerung im 13. Jahrhundert die Geburt Jesus Christus darzustellen. Diese wird auch heute noch in vielen Wohnstuben aufgestellt.

In England sowie Amerika ist es Brauch, dem Weihnachtsmann eins bis zwei Mince Pies, ein Glas Milch und eine Karotte für die Rentiere vor den Kamin zu stellen um sich für die Geschenke zu bedanken. Mince Pie sind süße Gebäckstücke, die ca. 5 bis 7 cm im Durchmesser sind. Gefüllt werden sie mit getrockneten Früchten (Aprikosen, Rosinen, Korinthen, usw.). Im Mittelalter wurden sie vermehrt zum Weihnachtsfest zubereitet. Früher wurden die Mince Pie (daher auch der Name) mit Fleisch gefüllt und waren größer. Das änderte sich dann aber, und so werden diese nur noch selten mit Fleisch zubereitet. Jeden Tag ein Mince Pie ab dem Weihnachtstag sollte Glück bringen.

Weihnachtssänger sind in England und Amerika eine Tradition. Im Mittelalter war das Singen in der Kirche verboten und vor allem während der heiligen Messen zu Weihnachten. Daher wurden die Sänger vor die Tür gesetzt. Daraus entwickelte sich die Tradition von Tür zu Tür zu gehen und entsprechend Weihnachtslieder zum Besten zu geben. Diese bekamen kleine Gaben, etwas zu Essen oder Geld. Noch heute ist dieser Brauch üblich und wird vermehrt (was für ein Widerspruch) von der Kirche oder anderen karitativen Einrichtungen genutzt um Spenden zu sammeln.

Der Schweinskopf wird feierlich in die Halle getragen
Der Schweinskopf wird feierlich in die Halle getragen

Truthahn ist zum Weihnachtsessen die meist gewählte und bevorzugte Variante. Doch bis zum 15. Jahrhundert (Entdeckung Amerikas) gab es diese Tierchen in England nicht. So bevorzugte man Gänse und Wildfleisch. Allerdings war das gute Fleisch nur den Reichen vorbestimmt und die Armen durften dieses nicht essen. Allerdings, um den guten Willen der Weihnachtszeit zu zeigen, konnte ein Lord eine gute Tat vollbringen und die unbeliebten Innereien seinen Dienern spenden. So verarbeitete man diese mit weiteren Zutaten zu Kuchen. Wildschweine waren bevorzugt und der Kopf des Tieres wurde an der Haupttafel beim Weihnachtsessen serviert. Konnte man kein Wildschwein erlegen, wich man aus auf Schwein, Gans oder Vasane.

Auch konnte ein Lord einen Untertanen zu sich in die heiligen Hallen einladen um mit ihm zur Weihnachtszeit zu speißen. Was natürlich bei vielen Untertanen sehr teuer werden konnte. Entweder lud der Herr dann nur einen Menschen ein, der entsprechend mit ihm Essen durfte um anschließend Essenreste mit Heim bekam, die er mit seiner Familie und Nachbarn teilte. Oder aber der Herr lud alle ein, was ein sehr teurer Spaß war und auch in gewisser Weiße den Reichtum eines Lords zeigte.

Ein Fest von William der Eroberer. Eine Sezen vom "Teppich von Bayeux". Eingescannt von Maggy Black's "Den medeltida kokboken", schwedische Übersetzung des The Medieval Cookbook, ISBN 91-7712-380-8
Ein Fest von William der Eroberer. Eine Sezen vom „Teppich von Bayeux“. Eingescannt von Maggy Black’s „Den medeltida kokboken“, schwedische Übersetzung des The Medieval Cookbook, ISBN 91-7712-380-8

Noch heute ist bei den Engländern eine Art der Unterhaltung an Weihnachten Gang und Gebe: Pantomime. Auch früher schon wurde diese Art des Spiels bevorzugt.

Boxing Day ist der 26. Dezember. Heute ist es üblich an diesem Tag eine gute Tat zu vollbringen oder auch eine Arbeit zu beginnen, die man dann anschließend im neuen Jahr zu ende bringen will. Also, sozusagen um schon mal gut ins neue Jahr zu starten, mit tollen Vorsätzen, usw.. Auch im Mittelalter wurde dieser Tag genutzt um den Armen etwas zu geben. Meist Geld. Im Mittelalter waren die Lords für ihre Leibeigenen und Diener zuständig. So bezahlten diese natürlich auch eine Rente an diese, wenn diese mal alt wurden. Diese wurde immer quartalsweise ausbezahlt und der 26. Dezember war meist ein Stichtag um die Rentenauszahlung vorzunehmen. Das traf sich ja mit Weihnachten sehr gut. Zu diesem Anlass wurden hohle Tongefässe mit einem Schlitz oben (genannt Schweinchen) verwendet um das seinen Untertanen zu überrreichen. So entwickelten sich auch die ersten Sparschweine. Denn auch diese Schweinchen mussten aufgeschlagen werden um an das Geld zu kommen.

Die Tradition einen Lord of Misrule zu ernennen war auch im Mittelalter ein sehr oft genutzer Brauch, der noch aus der römischen Zeit stammt. Hier wird ein Mensch zum Lord of Misrule bestimmt. Das heißt wenn es ein Untertane ist, dann kann er seinen Herrn von 17. bis zum 23. Dezember rumscheuchen. Es gab Könige, die das unterbanden aber auch welche die das erlaubten. Diese Tradition setzte sich bis weit ins 18. Jahrhundert hinweg durch, hatte aber nichts anderes im Sinn als viel Schabernack anzustellen. Viele sicherten daher während dieser Zeit ihr Hab und Gut. Vor allem soll dieser Brauch eine verkehrte Welt ohne Recht und Ordnung zeigen. Priester sangen z. B. in der Kirche und aßen am Altar eine Wurst, was überhaupt nicht ging.

Ein mittelalterliches Festmahl
Ein mittelalterliches Festmahl
Quelle: Historical UK, TimeTravel UK
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