Kindheit: Reiche Kinder – Ein Privileg?

Während Kinder aus ärmlichen Verhältnissen billige Arbeitskräfte waren, ging es den Kindern des Adels zwar besser, doch sie wurden von klein auf in goldene Käfige gesteckt.

Frischvermählte wünschten sich meist einen Jungen. Denn er sollte den Namen weiter tragen und erbte den Titel des Vaters. Daher waren Jungen in der Adelsfamilie sehr wichtig. Natürlich war es auch noch besser wenn es mehrere davon gab, um sicherzustellen, dass es einen Nachfolger gab, falls dem Erstgeborenen etwas passiert.

Ein Mädchen war meist der Stolz der Familie, das den Reichtum zur Schau stellte. Sie erfüllte ihren Zweck in dem sie mächtige Partner heiratete und so den Wert der Familie damit steigerte. Bündnisse und Verträge wurden durch Heiraten gefestigt und waren bis ins vorletzte Jahrhundert in der westlichen Kultur üblich. Liebe war selten in diesen Ehen zu finden. Daher war meist ein Familienleben, wie es heute üblich ist, nicht möglich, denn jeder tat nur seine Pflicht.

Schon von klein auf wird das adelige Kind nach diesen Prinzipien geformt. Es hat strenge Regeln an die es sich halten muss und die es zu befolgen hat. Es gibt auch keine Gesetze, die das Kind vor der Willkür der Erwachsenen schütze.

Üblich war es die Pflege und Erziehung der Kinder einer dritten Person zu überlassen, dafür wurde Personal angestellt. Eine Amme stillte das Kind und ein Kindermädchen erzog das Kind, spielte mit ihm und war dafür zuständig, dass es sich benahm. Sie war seine Aufpasserin und die, die ihn abends ins Bett brachte.

Es gab feste Zeiten bei denen das Kind bei seinen Eltern vorsprechen musste. Hier sollte es sich natürlich nicht daneben benehmen, brav die Eltern korrekt ansprechen, zeigen was es gelernt hat und anschließend wieder in sein Zimmer gehen. Wenn Besuch kam, wurde das Kind herausgeputzt und zur Schau gestellt. Das Kind bewohnte meist mit seinen Geschwistern einen eigenen Stock und durfte auch nicht da spielen, wo die Eltern waren. Rumtollen, Schreien und laut sein war strengenstens verboten.

Da die Mutter von damals auch typische mütterliche Zuneigung kaum zeigen durfte, und man seine Eltern auch nicht mit „Du“ ansprach, war die Nähe zwischen Kindern und Eltern nicht gegeben. Eltern ließen ihre Kinder meist in der Obhut des Personals, während sie selbst ihr Leben lebten und ihren Pflichten nachgingen. Es war auch nicht Brauch, die Kinder mitzunehmen wenn man eingeladen war. Verbrachte man ein Abendessen zusammen, musste das Kind sich entsprechend anpassen. Es durfte ja meist nicht sprechen, wenn es nicht direkt gefragt wurde. Zudem gab es auch Regeln beim Essen, und diese fingen nicht nur beim korrekten Besteck an.

Im Mittelalter schickte man die Sprößlinge weg, zu anderen Burgen. Jungen lernten kämpfen und konnten so durch Schlachten etwas erreichen. Mädchen lernten bei fremden Familien wie man sich als Frau zu benehmen hatte.

Später  wurden Jungen ab 11 Jahren auf Internate geschickt. Dort lernten sie schreiben, lesen, rechnen und natürlich alles was sie wissen mussten. Mädchen wurden daheim unterrichtet. Lesen und Schreiben sollte erst reichen. Doch im Laufe der Zeit wünschte man, dass die Töchter entsprechend mehr Bildung besaßen um sich auch mit fremdländischen Fürsten zu unterhalten und so lernten sie auch Sprachen. Sie sangen, spielten Instrumente, nähten und wussten wie eine Frau sich angemessen verhält. Wenn die Mädchen 18 Jahre alt werden, führten die Eltern sie in die Gesellschaft ein. Das Ziel: eine gute Partie.

Die Jungen dagegen hatten etwas mehr Freiheiten. Nach dem Internat besuchten sie meistens eine Universität. Sie feierten, hatten Spaß am Leben und durften sich gewaltig die Hörner abstoßen. Sie besuchten andere Länder und lernten andere Kulturen kennen. Nach der Universität hatten sie mehrere Möglichkeiten. Üblich war folgentes Schema: Der Erste erbte und kümmerte sich um die Ländereien und die Familie, der Zweite ging zum Militär und der Dritte in die Kirche. Das gewährleistete, dass die Männer sich und ihre Familie selbst versorgen können. Sobald dann der Druck der Familie zu groß wurde, suchten sie sich eine Braut, die ihnen meistens zugetragen wurde und sind natürlich ganz eifrig, so schnell wie möglich ein Kind zu zeugen – am besten einen Jungen. Erst dann ist seine und ihre Pflicht erfüllt und sie können sich von ihrem Patrner abwenden. Und der Kreislauf beginnt von neuen.

Natürlich muss meine oben vorgetragene Schilderung kein Paradebeispiel sein. Es gab sicherlich auch Familie bei denen es ganz anders aussah und liebevolle Gesten kein Fremdwort waren. Bloß damals war das Gefühle zeigen an sich schon etwas was verpönnt war. Es war einfach das Leben an sich und die Zeit, die die Menschen formte.

Kriege, alteingesessene Traditionen machten es schwer aus dieser Praxis auszubrechen und der Bildungsstandard war früher ein ganz anderer und kann daher nicht mit der heutigen Zeit verglichen werden. Familien, Ehen, die Rolle des Mannes und der Frau wurde ganz anders gesehen und beeinflusste natürlich grundlegend die Erziehung eines Kindes. Wer keine Zärtlichkeiten kennt und sie selbst im Kindesalter nicht erfahren hat und es sich nirgendwo abschauen kann, wird das auch an seine Kinder nicht weiter geben. Der Kreislauf dreht sich weiter bis eine entsprechende Rebellion im Menschen losbricht und die Menschen sich darauf einstellen und diese Veränderungen umsetzen und vor allem zulassen. Vor allem aber, muss diese von der Gesellschaft tolleriert werden. Und um diesen Stein der Veränderung ins Rollen zu bringen, dauert es und diese Veränderung ist ja nur größtenteils bei uns im Westen gegeben.

Noch heute gibt es Länder in denen Mädchen unterdrückt werden, weil sie nun mal ein Mädchen sind. Noch heute gibt es Ländern in denen Zwangsehen zur Tagesordnung gehören und noch heute gibt es auch feste Regeln nach denen sich bestimmte Menschen halten müssen – z. B. die aktuelle britische Königsfamilie. Noch immer gibt es auch im westlichen Kulturkreis Königsfamilien, die auf angemessenes Verhalten viel Wert legen und man nicht einfach bei einer Parade in Mini Rock und kurzen Top durchrauscht.

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