Kindheit: Kinder aus ärmlichen Verhältnissen

Heutzutage himmeln wir unsere Kinder an. Kinder haben Rechte und können sich hilfesuchend an die Behörden wenden. Kindern wird zugehört. Das Wort Kindheit hat in unserem Zeitalter eine sehr große Bedeutung und jeder verantwortungsbewusste Vater oder Mutter möchte, dass es seinem ganzen Stolz gut geht. Leider war das nicht immer so.

Früher war es so, dass Kinder als kleine Erwachsene gesehen wurden. Das Bewusstsein, dass Kinder Kinder sind, kam erst im letzten Jahrhundert. Mit dieser Veränderung kamen auch die ersten Gesetze um Kinder zu schützen.

Das Leben eines armen Kindes bis zum 20. Jahrhundert

Alle Kinder, egal ob arm oder reich, hatten keine Grundrechte oder rechtlichen Schutz und waren den Launen ihrer Eltern und allen anderen Erwachsenen in ihrem Umfeld vollkommen ausgeliefert. Kinder aus einfachen Verhältnissen waren billige Arbeitskräfte und die späteren Altersvorsorge der Eltern.

Bis ins heutige Jahrhundert waren Mehrgenatarionenhaushalte üblich. Es war auch üblich, dass die eigenen Eltern im Haus wohnte, dazu noch die Kinder mit ihren Kindern.

Auf Bauernhöfen oder allgemein im ländlichen Bereich mussten Kinder schon früh im Haushalt und Hof mithelfen. Die älteren Geschwister kümmerten sich um die kleineren. Sobald diese dann arbeiten konnten, mussten sie auf dem Acker oder im Stall mithelfen. Sie wurden schon sehr jung in den Arbeitsalltag der Familie eingegliedert und hatten sich auch zu fügen. Es war auch nicht unüblich die Kinder zu anderen Höfen oder Betrieben zu schicken, damit diese dort Geld verdienten. An Schule und Bildung wurde da natürlich kaum gedacht, denn wozu sollten die Kinder das brauchen? Daher besuchten die Kinder kaum oder sehr selten die Schule.

Am meisten litten die Kinder aus ärmlichen Verhältnissen während der industriellen Revolution. Sie waren klein, leicht zu kontrollieren und billige Arbeitskräfte. Daduch waren sie als Arbeiter in der Industrie, Mienen und so weiter sehr beliebt. Die Eltern hatten keine andere Wahl als ihre Kinder arbeiten zu schicken, denn irgendwie musste ja Geld reinkommen. Im Alter von 5 oder 6 Jahren fingen die Kinder zu arbeiten an. Ein Arbeitstag hatte ca. 15 bis 16 Stunden und begann meistens um 6 Uhr in der Frühe, eine Stunde Pause für das Mittagessen, und um 21 Uhr war Feierarbend. Meist folgte dann noch der weite Heimweg nach Hause. Gewalt bei der Arbeit war nichts ungewöhnliches, vor allem wenn sie zu langsam waren oder müde wurden.

Die anstengende Arbeit in den Mienen und Werken brachte natürlich auch körperliche Missbildungen mit sich, ganz zu schweigen von den Krankheiten, die sie ihr Leben lang davon mitschleppten. Durch das wenige Essen und die schwere Arbeit litten sie an Unterernährung und waren meist krank.

Viele Kinder versuchten diesen Schicksal zu entfliehen, doch wo sollten sie hin? Sie landeten auf der Straße ohne zu essen, zwischen Krankheiten, Kot und anderen Unrat lebten sie auf der Straße. Ohne Schutz, ohne Hilfe und waren sich selbst überlassen. Dadurch wurden sie sehr schnell kriminell um wenigstens ein bisschen Geld zu verdienen oder um Essen zu haben – das Gesetz bestrafte sie natürlich auch entsprechend wenn sie erwischt wurden.

Anfang des 19. Jahrhundet durften zwar Kinder erst ab 9 Jahren arbeiten und es wurden Schulen eröffnet, doch für die Kinder kam die Erlösung erst im 20. Jahrhundert.

(Quelle: Critical Essays Children and 19th-Century England)

Weitere Links:

Empfehlenswert ist auch das Interview mit Barbara Wagner.

Hier gibt es noch ein intressantes Video auf englisch zu dem Thema:

Auf BBC gab es auch mal eine sehr interessante Doku zu dem Thema in mehreren Teilen – The Children Who Built Victorian Britain (engl. ist aber gut gesprochen, so dass man es sehr gut versteht:

Allgemein findet man zu diesem Thema auf Youtube sehr viele gute Videos, die verschiedene Aspekte beleuchten. Die besten sind natürlich nur auf englisch.

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